Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 15.05.2026

Heute führte uns der Weg von Orthez nach Sauveterre-de-Béarn – geplant waren entspannte 25 Kilometer. (Spoiler: Unser Verhältnis zu geplanten Kilometern bleibt kompliziert.)

Nach einem wirklich leckeren Frühstücksbuffet ging es um halb acht erstmal noch in die Bäckerei, um den Proviantbestand zu erhöhen. Gut ausgestattet machten wir uns auf den Weg – immerhin den ersten Kilometer noch trocken. Danach setzte der Regen wieder ein. Aber im Vergleich zu gestern war das eher freundliches Nieseln statt Weltuntergang.

Unser Weg führte uns durch die kleinen Dörfer Lanneplaà und L’Hôpital-d’Orion. Dort trafen wir auf eine Pilgerstatue und nutzten die Kirche für eine Pause. Dabei erfuhren wir, dass der Ort historisch eine wichtige Station für Pilger war, denn direkt neben der Kirche befand sich früher ein Hospital, in dem Reisende und Pilger Unterschlupf finden konnten.

Nach der Pause wurde der Himmel allerdings verdächtig dunkel – richtig dunkel. Also schnell rein in die Regenklamotten. Und natürlich: Kaum waren wir auf einem Waldweg angekommen, der ohnehin schon größtenteils aus Matsch bestand, öffnete der Himmel erneut sämtliche Schleusen. Aus Weg wurde Bach, aus Wandern wurde vorsichtiges Vorwärtsrutschen. Alles war nass, glitschig und wir hatten zeitweise echte Mühe, überhaupt voranzukommen.

Danach ging es weiter nach dem bekannten Pilger-Motto: Höhenmeter hoch, Höhenmeter runter. In Andrein machten wir noch eine kurze Pause an der Kirche, bevor wir uns auf den Weg Richtung Sauveterre-de-Béarn machten. Was wirklich schön ist: Die Pyrenäen kommen inzwischen immer näher und sind immer besser zu sehen – ein richtig tolles Gefühl und definitiv Motivation.

In Sauveterre-de-Béarn wollten wir eigentlich noch die Kirche besichtigen. Leider fand dort gerade eine Hochzeit statt – und wir dachten kurz, ob wir einfach so tun, als gehörten wir dazu. Haben wir natürlich nicht gemacht. Schade nur, dass wir uns dafür gefühlt 200 Stufen hochgequält haben.

Anschließend schauten wir uns noch die historische Brücke an, bevor es endlich Richtung Unterkunft ging. Nach 28 Kilometern (warum wir eigentlich jemals glauben, die geplante Distanz würde stimmen, wissen wir selbst nicht) kamen wir dort an.

Die heutige Besonderheit: Uns hat die Nachricht erreicht, dass weitere Spenden in Höhe von 450 Euro eingegangen sind. Wir sind wirklich überwältigt – vielen lieben Dank für euren großartigen Support!

Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 14.05.2026

Heute stand auf der 13. Etappe die Strecke von Hagetmau nach Orthez an – und damit die dritte Tour in Folge mit knapp 30 Kilometern in den Beinen. Der Wecker klingelte erbarmungslos kurz nach 5 Uhr, und um 6 Uhr waren wir bereits auf der Strecke. Leider hatte offenbar auch das Wetter einen sehr frühen Start hingelegt.

Denn nach nur wenigen Metern begann es zu regnen – und zwar nicht dieses freundliche „Ach, ein bisschen Nieselregen“, sondern eher Kategorie: „Hat jemand den Himmel offen stehen lassen?“ Die ersten vier Kilometer wurden wir ordentlich eingeweicht. Danach hörte es kurz auf, nur um wenig später wieder loszulegen. Der Wettergott hatte heute offensichtlich Spaß daran, uns mit maximaler Abwechslung zu versorgen.

Nach rund 9 Kilometern erreichten wir Argelos. Dort suchten wir die Kirche auf und gönnten uns eine wohlverdiente Trocken- und Frühstückspause – beides dringend notwendig. Nach ein paar Minuten hieß es dann: Zähne zusammenbeißen und weiter. Weder das Wetter noch die Umgebung ließen vernünftige Pausen zu.

Im weiteren Verlauf passierten wir noch die Dörfer Sault-de-Navailles und Sallespisse. Das Wetter blieb dabei seinem chaotischen Motto treu: entweder schüttete es wie aus Eimern oder die Sonne schien, als wäre nie etwas gewesen. Es war ein ständiges An- und Ausziehen der Regenkleidung.

In Orthez angekommen, machten wir uns noch auf den Weg zur Kirche, wo ich mein erstes Steinchen ablegte. Dieses Steinchen steht symbolisch dafür, dass wir trotz der schwierigen Bedingungen – Regen, Müdigkeit und allem, was dazugehört – nicht aufgegeben haben. Gleichzeitig ist es auch ein Wunschstein für alle erkrankten Kinder: nicht aufzugeben, selbst wenn es schlechte oder eben „regnerische“ Tage gibt. Denn nach jedem Regen kommt irgendwann auch wieder Sonne.

Anschließend ging es Richtung Hotel – und welch Überraschung: Auf den letzten 400 Metern fing es natürlich nochmal an zu regnen. Wäre ja auch zu einfach gewesen. Nach 29,7 Kilometern und 380 Höhenmetern erreichten wir schließlich kurz nach 15 Uhr unsere Unterkunft – und waren ehrlich gesagt einfach nur froh, endlich die durchnässten Klamotten trocknen zu können.

Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 13.05.2026

Heute stand unsere 12. Etappe an – von Haut-Mauco nach Hagetmau. Und wie so oft auf dem Camino zeigte sich der Tag von seiner abwechslungsreichen Seite: mal landschaftlich, mal wettertechnisch und manchmal auch verkehrstechnisch eher… abenteuerlich.

Kaum waren wir eine Weile unterwegs, setzte schon der Regen ein. Der Weg führte, zur großen Überraschung von niemandem, wieder kilometerlang an der Straße entlang. Als kleines Highlight des Tages durften wir außerdem einen vielbefahrenen Kreisverkehr überqueren. Dazu kann man eigentlich nur sagen: Auf dem Camino erlebt man wirklich alles.

Deutlich schöner waren dagegen unsere tierischen Begegnungen: Gleich drei Mal kreuzten Rehe unseren Weg – und diesmal sogar ziemlich nah. Fast so, als wollten sie kurz prüfen, wie es uns Pilgern so geht.

Während eines kurzen Fotostopps am Straßenrand hielt plötzlich eine Frau mit dem Auto neben uns an. Sie warnte uns freundlich davor, dass die kommende Straße für Pilger nicht besonders angenehm sei. Außerdem erzählte sie, dass sie selbst schon mehrere Caminos gelaufen ist. Wir bedankten uns herzlich – entschieden uns aber trotzdem, unseren Weg fortzusetzen.

In Saint-Sever angekommen, besuchten wir die Abtei und holten uns im Tourismusbüro natürlich noch einen Stempel für den Pilgerpass ab. Danach ging es weiter – wie gewohnt größtenteils entlang der Straße.

Unsere Mittagspause machten wir in Audignon. Dort trafen wir drei französische Pilgerinnen, die für drei Tage auf dem Camino unterwegs waren. Anschließend liefen wir weiter Richtung Hagetmau. Da morgen in Frankreich Feiertag ist und wir nicht wussten, wie es mit der Verpflegung aussehen würde, steuerten wir vorsorglich eine Boulangerie an. Unsere Ausbeute: zwei Baguettes, sieben Schokobrötchen und Wasser – man könnte sagen, wir haben strategisch eingekauft.

Nach 29,5 Kilometern erreichten wir schließlich unsere Unterkunft. Heute stand ausnahmsweise ein Hotel auf dem Plan – allerdings eines, das bei unserer Ankunft noch geschlossen war. Ein Anruf beim Inhaber brachte zunächst die wenig begeisterte Information, dass Check-in erst ab 17:30 Uhr sei. Der Tonfall ließ vermuten, dass wir nicht ganz auf seiner Liste der Lieblingsanrufer standen. Doch dann hatte er offenbar ein Herz für erschöpfte Pilger und öffnete uns ein paar Minuten später doch noch die Tür.

So landeten wir kurz nach 16 Uhr und nach 29,5 Kilometern endlich erschöpft, aber zufrieden in unserem Hotelzimmer.