Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 10.05.2026

Heute führt uns unser Weg von Captieux nach Bourriot-Bergonce – eine entspannte Etappe… zumindest zu Beginn. Unser Morgen startet nämlich erneut ziemlich gemütlich, denn Frühstück gibt es in der Baumhaus-Anlage erst um 8:30 Uhr. Allerdings fällt dieses eher unter die Kategorie „symbolische Verpflegung“: Vier kleine Scheiben Brot pro Person – vermutlich zur Förderung der inneren Stärke statt der körperlichen Ausdauer.

Trotz der überschaubaren Frühstücksportion starten wir um 9:00 Uhr unsere Wanderung. Zunächst laufen wir etwa zwei Kilometer zurück nach Captieux, wo wir großes Glück haben: Sowohl eine Bäckerei als auch ein kleiner Tante-Emma-Laden haben geöffnet. Also wird erstmal ordentlich Proviant gebunkert.

Bevor es richtig losgeht, versuchen wir noch unser Glück in der Pellerine für einen Pilgerstempel. Leider geschlossen.

Die ersten Kilometer führen uns wieder über wunderschöne Waldwege und machen richtig Spaß. Nach etwa neun Kilometern queren wir eine Brücke über die Autobahn – und verlassen dabei den offiziellen Jakobsweg. Kurz darauf stehen wir plötzlich auf einem Grundstück, bei dem sofort sämtliche Alarmglocken angehen. Ein sehr gut gekleideter Herr kommt direkt aus dem Haus, sichtbar wenig begeistert von unserem Auftauchen, und stellt einige… sagen wir mal… ungewöhnliche Fragen.

Im Nachhinein stellt sich heraus: Diese Strecke gehört wohl schon seit Jahren nicht mehr zum Jakobsweg. Vermutlich erklärt das auch den irritierten Blick des Besitzers.

Danach geht es kilometerlang entlang von Gasleitungen – landschaftlich sicherlich kein Highlight – und unsere Mittagspause verbringen wir stilecht auf dem Waldboden. Anschließend legen wir nochmal einen Zahn zu: Auf drei Kilometern schaffen wir sogar eine Pace von unter zwölf Minuten.

Um halb vier erreichen wir nach rund 24 Kilometern unsere Unterkunft. Heute wohnen wir bei einer älteren Dame im Haus, die uns auch bekocht. Durch unsere T-Shirts und den Flyer, den wir ihr geben, erfährt sie von unserer Aktion und überrascht uns mit einer unglaublich schönen Geste: Für das Abendessen möchte sie kein Geld – wir sollen den Betrag lieber spenden. Darüber freuen wir uns natürlich sehr und überweisen das Geld in Höhe von 70 Euro direkt weiter. Ein wirklich schöner Abschluss für diesen Tag.

Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 09.05.2026

Am 9. Mai steht eigentlich eine entspannte Etappe von 18 Kilometern von Bazas nach Captieux auf dem Plan. Da wir allerdings erst ab 17 Uhr in unsere Unterkunft dürfen, beginnt der Tag erfreulich entschleunigt – was uns nach der Nacht auch mehr als recht ist. Zwischen Hitze, einer Matratze mit eher fragwürdigem Komfort und Kissen, die vermutlich schon bessere Tage gesehen haben, war die Nacht nämlich eher Kategorie „durchhalten“ als „erholsam“.

Also: gemütliches Frühstück statt Frühstart. Anschließend machen wir uns – ganz luxuriös ohne Rucksäcke – auf den Weg zur wunderschönen Kirche in Bazas. Auf dem Platz vor der Kirche findet heute ein großer Markt statt, über den wir erst einmal entspannt schlendern. Ein bisschen schauen, ein bisschen stöbern und natürlich die Kirche besichtigen. Leider bleibt unsere Hoffnung auf einen Pilgerstempel dort zunächst unerfüllt.

Doch dann entdecken wir, dass das Tourismusbüro bereits um 9:30 Uhr öffnet – Jackpot! Also zurück zur Unterkunft, Rucksäcke einsammeln und direkt weiter zum Office. Und tatsächlich: Der ersehnte Stempel wandert in den Pilgerpass.

Danach geht es los Richtung Captieux. Rund 14 Kilometer führt uns der Weg schnurgerade durch den Wald – aber diesmal zum Glück nicht auf Asphaltstraßen, sondern auf einem wirklich schönen Radweg zwischen Bazas und Captieux. Diesem folgen wir die gesamte Strecke. Zwischendurch tauchen immer wieder Bänke am Wegesrand auf, die wir selbstverständlich fachgerecht für ein zweites Frühstück und später eine Mittagspause nutzen. Pilgern macht hungrig – wissenschaftlich belegt. (Zumindest gefühlt.)

Nach 16,1 Kilometern knacken wir außerdem die Marke von insgesamt 200 Kilometern auf dieser Etappe – ein ziemlich schönes Gefühl! Kurz darauf erreichen wir Captieux.

Doch der Tag hält noch eine kleine Zusatzaufgabe bereit: Finde die Baumhäuser. Klingt idyllisch, entwickelt sich aber kurzzeitig zu einer Mischung aus Schatzsuche und Orientierungslauf. Gefühlt laufen wir im Zickzack durch den Wald, denn die bei Google Maps angegebene Adresse der Rezeption scheint eher ein kreativer Vorschlag als ein realer Ort zu sein.

Also rufen wir den Inhaber an. In gebrochenem Englisch versucht er uns den Weg zu erklären – mit mäßigem Erfolg. Schließlich sagt er kurzerhand, dass er uns mit dem Auto entgegenfährt. Mega lieb! Dank dieser Rettungsaktion können wir ihm einfach hinterherlaufen und finden tatsächlich die Baumhäuser.

Nach insgesamt 20,1 Kilometern erreichen wir die Anlage, werden in unser Baumhaus eingewiesen und dürfen heute sogar direkt dort essen. Jetzt sind wir natürlich gespannt, was uns kulinarisch mitten im Wald erwartet – hoffentlich mehr als nur Nüsse und Zapfen. 😉

Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 08.05.2026

Heute, am 8. Mai 2026, stand unser siebter Wandertag an. Der Plan war eigentlich ganz harmlos: entspannte 16,9 km von Auros nach Bazas. Betonung auf eigentlich — wie sich herausstellte, hatte der Jakobsweg mal wieder seinen eigenen Humor.

Unser Weg führte uns zunächst nach Brouqueyran am Château du Mirail vorbei. Dort entdeckten wir überraschend eine Pilgerunterkunft. Natürlich wurde direkt eine kleine Pause eingelegt. Während wir Fotos vom Château machten, entdeckten wir eine Frau, die wir spontan fragten, ob es hier vielleicht einen Pilgerstempel gäbe. Sie schickte uns zur nahegelegenen Kirche Saint-Pierre-es-Liens — und tatsächlich: Dort wartete unser erster Kirchenstempel auf uns.

Vor unserer Reise hatten wir die Idee, uns von den erkrankten bzw. geheilten Kiddis kleine bemalte Steine gestalten zu lassen, die wir an besonderen Orten ablegen möchten. Heute hat Mama ihren ersten Stein in der Kirche abgelegt. Für sie war das ein sehr emotionaler Moment — als Zeichen der Dankbarkeit dafür, den ersten Stempel genau dort erhalten zu haben. Irgendwie hat einfach alles gepasst.

Danach ging es weiter über Straßen, durch Wälder und vorbei an einem wunderschönen See. Doch kaum war die idyllische Stimmung perfekt, schlug das Schicksal zu: Einer von Isabelles Wanderstöcken verabschiedete sich in den Ruhestand, innen war etwas abgebrochen. Also versuchten wir mit Tape, Stöcken und viel Optimismus eine Notfall-Reparatur. Parallel recherchierte Isabelle, ob es in Bazas irgendwo Wanderstöcke zu kaufen gäbe.

Natürlich lag der Laden nicht direkt auf unserem Weg. Natürlich war Feiertag. Und natürlich wussten wir nicht einmal sicher, ob überhaupt geöffnet war. Aber aufgeben? Nicht mit uns.

Vorher machten wir noch Mittagspause — diesmal sehr stilvoll neben der Straße. Dort standen Unterstände zur Beobachtung der Ringeltaubenjagd, und wir konnten tatsächlich eine Europalette ergattern, auf der wir es uns gemütlich machten.

Nach dieser etwas anderen Rast starteten wir die Mission „Operation Wanderstock“ — mit Erfolg! Der Laden hatte tatsächlich Wanderstöcke, und Isabelle kaufte freudestrahlend Ersatz. Die Stimmung war gerettet und die Wanderstöcke wieder vollzählig.

Danach ging es weiter zu unserer Unterkunft. Das kleine Problem: Den Zugangscode sollten wir erst ab 17 Uhr erhalten. Also saßen wir erstmal 20 Minuten vor der Tür. Schließlich kam der Code, und wir konnten hinein — überraschenderweise lag die Wohnung im Keller. Aber: absolut in Ordnung, gemütlich und nach insgesamt 22 km genau das, was wir brauchten.

Jetzt freuen wir uns einfach nur noch auf eine heiße Dusche und einen großen Teller Spaghetti. Und ehrlich gesagt: Nach heute hätten wir uns auch zwei Teller verdient.