Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 13.05.2026

Heute stand unsere 12. Etappe an – von Haut-Mauco nach Hagetmau. Und wie so oft auf dem Camino zeigte sich der Tag von seiner abwechslungsreichen Seite: mal landschaftlich, mal wettertechnisch und manchmal auch verkehrstechnisch eher… abenteuerlich.

Kaum waren wir eine Weile unterwegs, setzte schon der Regen ein. Der Weg führte, zur großen Überraschung von niemandem, wieder kilometerlang an der Straße entlang. Als kleines Highlight des Tages durften wir außerdem einen vielbefahrenen Kreisverkehr überqueren. Dazu kann man eigentlich nur sagen: Auf dem Camino erlebt man wirklich alles.

Deutlich schöner waren dagegen unsere tierischen Begegnungen: Gleich drei Mal kreuzten Rehe unseren Weg – und diesmal sogar ziemlich nah. Fast so, als wollten sie kurz prüfen, wie es uns Pilgern so geht.

Während eines kurzen Fotostopps am Straßenrand hielt plötzlich eine Frau mit dem Auto neben uns an. Sie warnte uns freundlich davor, dass die kommende Straße für Pilger nicht besonders angenehm sei. Außerdem erzählte sie, dass sie selbst schon mehrere Caminos gelaufen ist. Wir bedankten uns herzlich – entschieden uns aber trotzdem, unseren Weg fortzusetzen.

In Saint-Sever angekommen, besuchten wir die Abtei und holten uns im Tourismusbüro natürlich noch einen Stempel für den Pilgerpass ab. Danach ging es weiter – wie gewohnt größtenteils entlang der Straße.

Unsere Mittagspause machten wir in Audignon. Dort trafen wir drei französische Pilgerinnen, die für drei Tage auf dem Camino unterwegs waren. Anschließend liefen wir weiter Richtung Hagetmau. Da morgen in Frankreich Feiertag ist und wir nicht wussten, wie es mit der Verpflegung aussehen würde, steuerten wir vorsorglich eine Boulangerie an. Unsere Ausbeute: zwei Baguettes, sieben Schokobrötchen und Wasser – man könnte sagen, wir haben strategisch eingekauft.

Nach 29,5 Kilometern erreichten wir schließlich unsere Unterkunft. Heute stand ausnahmsweise ein Hotel auf dem Plan – allerdings eines, das bei unserer Ankunft noch geschlossen war. Ein Anruf beim Inhaber brachte zunächst die wenig begeisterte Information, dass Check-in erst ab 17:30 Uhr sei. Der Tonfall ließ vermuten, dass wir nicht ganz auf seiner Liste der Lieblingsanrufer standen. Doch dann hatte er offenbar ein Herz für erschöpfte Pilger und öffnete uns ein paar Minuten später doch noch die Tür.

So landeten wir kurz nach 16 Uhr und nach 29,5 Kilometern endlich erschöpft, aber zufrieden in unserem Hotelzimmer.

Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 12.05.2026

Heute führt uns unser Weg von Bostens nach Haut-Mauco – und wie wir es „vermisst“ haben: Es steht mal wieder eine Etappe von über 30 Kilometern an. Die Beine jubeln… oder so ähnlich.

Direkt zu Beginn laufen wir ins Dorf Bostens, wo wir in der Kirche unseren ersten Stempel ergattern wollen – leider erfolglos. Der Kirchenbesuch hatte dafür unfreiwilligen Unterhaltungswert: Anfangs war alles stockdunkel und erst durch unsere Bewegungen sprangen plötzlich die Sensorlichter an. Ganz ehrlich – genau so beginnen doch Horrorfilme. Wir haben kurz überlegt, ob gleich irgendwo unheimliche Musik einsetzt.

Danach entdecken wir die Pilgerunterkunft und sind positiv überrascht: Die Tür steht (fast) offen, vielleicht sind wir wieder einfach in einer Tür reingegangen. Aber was noch viel wichtiger ist – ein Stempel ist tatsächlich da. Pilgerglück muss man feiern, wenn es auftaucht.

Im Anschluss führt uns der Weg wieder kilometerlang an der Straße entlang. Wir durchqueren die Dörfer Gaillères und Bougue, wo wir in einer Bar – oder besser gesagt: einer Kombination aus Bar und Postfiliale (Multitasking auf französisch) – unseren zweiten Stempel bekommen.

Weiter geht es schnurstracks Richtung Mont-de-Marsan. Seit langer Zeit kommen wir mal wieder durch eine größere Stadt, wobei wir nur den äußeren Rand streifen. Da wir heute Abend ziemlich abgeschieden unterkommen werden, steht hier ein wichtiger Programmpunkt an: einkaufen. Das klingt einfacher als gedacht, denn wir müssen unsere Route fast strategisch planen, um überhaupt an einen Supermarkt zu gelangen.

Nach rund 20 Kilometern legen wir gegen 12 Uhr eine kurze Mittagspause ein. Frisch gestärkt geht es weiter durch die Stadt, bis wir nach weiteren vier Kilometern endlich den Lärm und die Menschenmassen hinter uns lassen. Dabei stellen wir fest: So viel Trubel sind wir inzwischen gar nicht mehr gewohnt.

Der Weg wird anschließend… sagen wir mal „abenteuerlicher“. Schulterhohe Farne, dichtes Gestrüpp und stachelige Pflanzen machen uns das Vorankommen nicht gerade leicht. Mama sammelt unterwegs noch drei Zecken ein – eine davon leider mit besonders großem Interesse. Nicht unbedingt das Souvenir, das man sich wünscht.

Mit den letzten Kräften mobilisieren wir unsere Reserven und kämpfen uns die restlichen Kilometer bis zur Unterkunft. Nach stolzen 32,8 Kilometern erreichen wir unser Ziel – komplett erledigt. Aber keine Sorge: Morgen haben wir zur „Erholung“ ja nur 28 Kilometer vor uns.

Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 11.05.2026

Heute stand unsere 10. Wandertour an – Startschuss um 7 Uhr morgens, natürlich wieder begleitet von einem eher symbolischen Frühstück. Unsere Gastgeberin war dafür umso herzlicher. Zum Abschied gab es noch einen Stempel für unser Pilgerheft – solche kleinen Gesten machen den Weg einfach besonders.

Kurz nach halb 8 ging es dann los. Vor uns lagen rund 25 Kilometer bis nach Bostens. Das kleine Problem: Unsere Essensvorräte haben sich quasi in Luft aufgelöst – und nach dem Frühstück war uns ziemlich klar, dass der Hunger nicht lange auf sich warten lassen würde.

Die Rettung hieß Roquefort, etwa 14 Kilometer entfernt. Unser Ziel war klar – möglichst schnell Essen organisieren, bevor einer von uns anfängt, über Baguettes zu halluzinieren. Gesagt, getan: Bereits kurz nach 11 Uhr hatten wir die Kilometer abgerockt. Erstmal wurde die Bäckerei „freundlich leergekauft“ und in der Mairie gab es direkt den nächsten Stempel fürs Pilgerheft. Danach hieß es: Essenspause an der Kirche. Gespräche? Fehlanzeige. Jeder war so sehr mit seinem Essen beschäftigt, dass plötzlich andächtige Stille herrschte – vermutlich die friedlichsten Minuten des Tages.

Anschließend liefen wir noch etwa 3 Kilometer weiter zum nächsten kleinen Laden, denn heute und morgen hätten wir sonst kaum Chancen auf Verpflegung gehabt. Isabelle und ich kümmerten uns im Supermarkt um die Versorgung für die nächsten Tage, während Mama draußen wartete – und dort einen wirklich besonderen Moment erlebte. Eine fremde Frau kam auf sie zu, zeigte auf ihr T-Shirt und drückte ihr einfach 10 Euro in die Hand. Einfach so. Ein unglaublich schöner und berührender Moment, der uns wieder gezeigt hat, wie viel Herzlichkeit uns auf diesem Weg begegnet.

Danach hieß es allerdings: voll bepackte Rucksäcke schultern und noch 9 Kilometer laufen. Und plötzlich fühlte sich jeder Schritt doppelt so weit an. Lebensmittel wiegen scheinbar nicht viel – bis man sie auf dem Rücken tragen muss.

Kurz vor dem Ziel nahmen wir noch eine kleine Abkürzung – allerdings über Privatgelände. Wir waren so beschäftigt damit, möglichst schnell wieder vom Grundstück runterzukommen, dass wir erst viel zu spät bemerkten: Das war schon das Gelände unserer Gastgeber! Diese Aktion hat uns im Nachhinein wirklich sehr zum Lachen gebracht. Nach 25,4 Kilometern erreichten wir schließlich gegen 15 Uhr unsere Unterkunft – erschöpft, aber glücklich und definitiv bereit für ein bisschen Entspannung.

Und an dieser Stelle möchten wir uns auch von Herzen für eure großartige Unterstützung bedanken. Auf dieser Etappe wurden bereits 1.420 Euro gespendet – das ist einfach unglaublich und alles andere als selbstverständlich. Vielen, vielen Dank für eure Unterstützung!