
Am 9. Mai steht eigentlich eine entspannte Etappe von 18 Kilometern von Bazas nach Captieux auf dem Plan. Da wir allerdings erst ab 17 Uhr in unsere Unterkunft dürfen, beginnt der Tag erfreulich entschleunigt – was uns nach der Nacht auch mehr als recht ist. Zwischen Hitze, einer Matratze mit eher fragwürdigem Komfort und Kissen, die vermutlich schon bessere Tage gesehen haben, war die Nacht nämlich eher Kategorie „durchhalten“ als „erholsam“.
Also: gemütliches Frühstück statt Frühstart. Anschließend machen wir uns – ganz luxuriös ohne Rucksäcke – auf den Weg zur wunderschönen Kirche in Bazas. Auf dem Platz vor der Kirche findet heute ein großer Markt statt, über den wir erst einmal entspannt schlendern. Ein bisschen schauen, ein bisschen stöbern und natürlich die Kirche besichtigen. Leider bleibt unsere Hoffnung auf einen Pilgerstempel dort zunächst unerfüllt.
Doch dann entdecken wir, dass das Tourismusbüro bereits um 9:30 Uhr öffnet – Jackpot! Also zurück zur Unterkunft, Rucksäcke einsammeln und direkt weiter zum Office. Und tatsächlich: Der ersehnte Stempel wandert in den Pilgerpass.
Danach geht es los Richtung Captieux. Rund 14 Kilometer führt uns der Weg schnurgerade durch den Wald – aber diesmal zum Glück nicht auf Asphaltstraßen, sondern auf einem wirklich schönen Radweg zwischen Bazas und Captieux. Diesem folgen wir die gesamte Strecke. Zwischendurch tauchen immer wieder Bänke am Wegesrand auf, die wir selbstverständlich fachgerecht für ein zweites Frühstück und später eine Mittagspause nutzen. Pilgern macht hungrig – wissenschaftlich belegt. (Zumindest gefühlt.)
Nach 16,1 Kilometern knacken wir außerdem die Marke von insgesamt 200 Kilometern auf dieser Etappe – ein ziemlich schönes Gefühl! Kurz darauf erreichen wir Captieux.
Doch der Tag hält noch eine kleine Zusatzaufgabe bereit: Finde die Baumhäuser. Klingt idyllisch, entwickelt sich aber kurzzeitig zu einer Mischung aus Schatzsuche und Orientierungslauf. Gefühlt laufen wir im Zickzack durch den Wald, denn die bei Google Maps angegebene Adresse der Rezeption scheint eher ein kreativer Vorschlag als ein realer Ort zu sein.
Also rufen wir den Inhaber an. In gebrochenem Englisch versucht er uns den Weg zu erklären – mit mäßigem Erfolg. Schließlich sagt er kurzerhand, dass er uns mit dem Auto entgegenfährt. Mega lieb! Dank dieser Rettungsaktion können wir ihm einfach hinterherlaufen und finden tatsächlich die Baumhäuser.
Nach insgesamt 20,1 Kilometern erreichen wir die Anlage, werden in unser Baumhaus eingewiesen und dürfen heute sogar direkt dort essen. Jetzt sind wir natürlich gespannt, was uns kulinarisch mitten im Wald erwartet – hoffentlich mehr als nur Nüsse und Zapfen. 😉



