
Heute führt uns unser Weg von Captieux nach Bourriot-Bergonce – eine entspannte Etappe… zumindest zu Beginn. Unser Morgen startet nämlich erneut ziemlich gemütlich, denn Frühstück gibt es in der Baumhaus-Anlage erst um 8:30 Uhr. Allerdings fällt dieses eher unter die Kategorie „symbolische Verpflegung“: Vier kleine Scheiben Brot pro Person – vermutlich zur Förderung der inneren Stärke statt der körperlichen Ausdauer.
Trotz der überschaubaren Frühstücksportion starten wir um 9:00 Uhr unsere Wanderung. Zunächst laufen wir etwa zwei Kilometer zurück nach Captieux, wo wir großes Glück haben: Sowohl eine Bäckerei als auch ein kleiner Tante-Emma-Laden haben geöffnet. Also wird erstmal ordentlich Proviant gebunkert.
Bevor es richtig losgeht, versuchen wir noch unser Glück in der Pellerine für einen Pilgerstempel. Leider geschlossen.
Die ersten Kilometer führen uns wieder über wunderschöne Waldwege und machen richtig Spaß. Nach etwa neun Kilometern queren wir eine Brücke über die Autobahn – und verlassen dabei den offiziellen Jakobsweg. Kurz darauf stehen wir plötzlich auf einem Grundstück, bei dem sofort sämtliche Alarmglocken angehen. Ein sehr gut gekleideter Herr kommt direkt aus dem Haus, sichtbar wenig begeistert von unserem Auftauchen, und stellt einige… sagen wir mal… ungewöhnliche Fragen.
Im Nachhinein stellt sich heraus: Diese Strecke gehört wohl schon seit Jahren nicht mehr zum Jakobsweg. Vermutlich erklärt das auch den irritierten Blick des Besitzers.
Danach geht es kilometerlang entlang von Gasleitungen – landschaftlich sicherlich kein Highlight – und unsere Mittagspause verbringen wir stilecht auf dem Waldboden. Anschließend legen wir nochmal einen Zahn zu: Auf drei Kilometern schaffen wir sogar eine Pace von unter zwölf Minuten.
Um halb vier erreichen wir nach rund 24 Kilometern unsere Unterkunft. Heute wohnen wir bei einer älteren Dame im Haus, die uns auch bekocht. Durch unsere T-Shirts und den Flyer, den wir ihr geben, erfährt sie von unserer Aktion und überrascht uns mit einer unglaublich schönen Geste: Für das Abendessen möchte sie kein Geld – wir sollen den Betrag lieber spenden. Darüber freuen wir uns natürlich sehr und überweisen das Geld in Höhe von 70 Euro direkt weiter. Ein wirklich schöner Abschluss für diesen Tag.


