Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 17.05.2026

Heute standen 27,9 km von Arhansus nach Saint-Jean-Pied-de-Port auf dem Programm.

Der Abend zuvor hatte es in sich: Gemeinsam mit unseren herzlichen Gastgebern und zwei weiteren Pilgern aus Deutschland verbrachten wir einen richtig lustigen Abend. Nach einem 5-Gänge-Menü, zwei Flaschen Wein und natürlich einem weiteren Stempel im Pilgerheft ging es für unsere Verhältnisse ausgesprochen spät ins Bett.

Um halb 8 wartete schon das Frühstück auf uns. Danach hieß es: Rucksack auf und los! Nach gerade einmal 1,1 km knackten wir die 400-km-Marke – ein ziemlich verrücktes Gefühl! Der Weg führte uns anschließend über viele, sehr viele… schlammige Wege. Unsere Schuhe führen inzwischen vermutlich ein Eigenleben aus Matsch.

Nach 4 km erreichten wir Ostabat. Von dort ging es weiter – mal entlang der Straße, mal über ruhige Waldwege. Nach 14,9 km legten wir in Mongelos eine wohlverdiente Mittagspause ein, bevor uns der Weg mit einem wunderschönen Panoramablick auf die Pyrenäen belohnte. Ganz ehrlich: Für solche Ausblicke läuft man dann doch gerne weiter.

Bei Kilometer 23,5 erreichten wir Saint-Jean-le-Vieux und gönnten uns eine kurze Pause. Dort kamen wir mit zwei älteren Französinnen und einem Franzosen ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass die beiden Frauen ebenfalls für eine Krebsorganisation für Kinder unterwegs sind – „Imagine for Margo“. Mit Händen, Füßen und Google Translate tauschten wir uns aus und haben uns wirklich sehr über diese besondere Begegnung gefreut. Solche Momente machen den Camino einfach besonders.

Nach insgesamt 27,9 km und 470 Höhenmetern erreichten wir schließlich Saint-Jean-Pied-de-Port. Es fühlt sich ehrlich gesagt ziemlich surreal an, hier angekommen zu sein und zu realisieren, wie weit wir inzwischen gelaufen sind.

Für viele Pilger beginnt hier erst der Camino – für uns neigt sich dagegen das Kapitel Frankreich langsam dem Ende zu. Und irgendwie macht genau das diesen Ort noch besonderer.

Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 16.05.2026

Heute führt uns unser Weg von Sauveterre-de-Béarn nach Arhansus – rund 26 Kilometer und über 550 Höhenmeter warten auf uns. Klingt erst mal machbar… zumindest solange man die Höhenmeter nur liest und nicht laufen muss.

Nach einer wunderbaren Nacht bei Patricia, unserer Gastgeberin, machen wir uns um halb neun auf den Weg. Das gestrige Abendessen war einfach himmlisch. Patricia hat sich scheinbar auch richtig über unseren Besuch gefreut, was den Abschied umso herzlicher machte.

Die ersten 14,8 Kilometer führen uns bis nach Saint-Palais. Der Weg besteht heute allerdings gefühlt hauptsächlich aus einem sehr beliebten Spiel namens: Regenkleidung anziehen – Regenkleidung ausziehen. Das Wetter konnte sich offenbar selbst nicht entscheiden.

In Saint-Palais kaufen wir zunächst einen kleinen Tante-Emma-Laden leer (natürlich nur im Rahmen der Pilgergrundversorgung) und gönnen uns anschließend eine Pause an der Kirche. Dort treffen wir auch unseren ersten Radfahrer auf dem Camino.

Wir trocknen unsere Sachen, stärken uns und dann wirds ernst: Zwei Monsteranstiege warten auf uns. Es geht von 70 auf 250 Höhenmeter – und unsere Beine melden vorsichtshalber schon mal Protest an. Doch der erste schweißtreibende Aufstieg wird reich belohnt: ein fantastischer Blick auf die Pyrenäen und die drei Steine, die sogenannten „Gibraltar-Stelen“. Da vergisst man für einen Moment sogar die brennenden Oberschenkel.

Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 15.05.2026

Heute führte uns der Weg von Orthez nach Sauveterre-de-Béarn – geplant waren entspannte 25 Kilometer. (Spoiler: Unser Verhältnis zu geplanten Kilometern bleibt kompliziert.)

Nach einem wirklich leckeren Frühstücksbuffet ging es um halb acht erstmal noch in die Bäckerei, um den Proviantbestand zu erhöhen. Gut ausgestattet machten wir uns auf den Weg – immerhin den ersten Kilometer noch trocken. Danach setzte der Regen wieder ein. Aber im Vergleich zu gestern war das eher freundliches Nieseln statt Weltuntergang.

Unser Weg führte uns durch die kleinen Dörfer Lanneplaà und L’Hôpital-d’Orion. Dort trafen wir auf eine Pilgerstatue und nutzten die Kirche für eine Pause. Dabei erfuhren wir, dass der Ort historisch eine wichtige Station für Pilger war, denn direkt neben der Kirche befand sich früher ein Hospital, in dem Reisende und Pilger Unterschlupf finden konnten.

Nach der Pause wurde der Himmel allerdings verdächtig dunkel – richtig dunkel. Also schnell rein in die Regenklamotten. Und natürlich: Kaum waren wir auf einem Waldweg angekommen, der ohnehin schon größtenteils aus Matsch bestand, öffnete der Himmel erneut sämtliche Schleusen. Aus Weg wurde Bach, aus Wandern wurde vorsichtiges Vorwärtsrutschen. Alles war nass, glitschig und wir hatten zeitweise echte Mühe, überhaupt voranzukommen.

Danach ging es weiter nach dem bekannten Pilger-Motto: Höhenmeter hoch, Höhenmeter runter. In Andrein machten wir noch eine kurze Pause an der Kirche, bevor wir uns auf den Weg Richtung Sauveterre-de-Béarn machten. Was wirklich schön ist: Die Pyrenäen kommen inzwischen immer näher und sind immer besser zu sehen – ein richtig tolles Gefühl und definitiv Motivation.

In Sauveterre-de-Béarn wollten wir eigentlich noch die Kirche besichtigen. Leider fand dort gerade eine Hochzeit statt – und wir dachten kurz, ob wir einfach so tun, als gehörten wir dazu. Haben wir natürlich nicht gemacht. Schade nur, dass wir uns dafür gefühlt 200 Stufen hochgequält haben.

Anschließend schauten wir uns noch die historische Brücke an, bevor es endlich Richtung Unterkunft ging. Nach 28 Kilometern (warum wir eigentlich jemals glauben, die geplante Distanz würde stimmen, wissen wir selbst nicht) kamen wir dort an.

Die heutige Besonderheit: Uns hat die Nachricht erreicht, dass weitere Spenden in Höhe von 450 Euro eingegangen sind. Wir sind wirklich überwältigt – vielen lieben Dank für euren großartigen Support!