Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 16.05.2026

Heute führt uns unser Weg von Sauveterre-de-Béarn nach Arhansus – rund 26 Kilometer und über 550 Höhenmeter warten auf uns. Klingt erst mal machbar… zumindest solange man die Höhenmeter nur liest und nicht laufen muss.

Nach einer wunderbaren Nacht bei Patricia, unserer Gastgeberin, machen wir uns um halb neun auf den Weg. Das gestrige Abendessen war einfach himmlisch. Patricia hat sich scheinbar auch richtig über unseren Besuch gefreut, was den Abschied umso herzlicher machte.

Die ersten 14,8 Kilometer führen uns bis nach Saint-Palais. Der Weg besteht heute allerdings gefühlt hauptsächlich aus einem sehr beliebten Spiel namens: Regenkleidung anziehen – Regenkleidung ausziehen. Das Wetter konnte sich offenbar selbst nicht entscheiden.

In Saint-Palais kaufen wir zunächst einen kleinen Tante-Emma-Laden leer (natürlich nur im Rahmen der Pilgergrundversorgung) und gönnen uns anschließend eine Pause an der Kirche. Dort treffen wir auch unseren ersten Radfahrer auf dem Camino.

Wir trocknen unsere Sachen, stärken uns und dann wirds ernst: Zwei Monsteranstiege warten auf uns. Es geht von 70 auf 250 Höhenmeter – und unsere Beine melden vorsichtshalber schon mal Protest an. Doch der erste schweißtreibende Aufstieg wird reich belohnt: ein fantastischer Blick auf die Pyrenäen und die drei Steine, die sogenannten „Gibraltar-Stelen“. Da vergisst man für einen Moment sogar die brennenden Oberschenkel.

Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 15.05.2026

Heute führte uns der Weg von Orthez nach Sauveterre-de-Béarn – geplant waren entspannte 25 Kilometer. (Spoiler: Unser Verhältnis zu geplanten Kilometern bleibt kompliziert.)

Nach einem wirklich leckeren Frühstücksbuffet ging es um halb acht erstmal noch in die Bäckerei, um den Proviantbestand zu erhöhen. Gut ausgestattet machten wir uns auf den Weg – immerhin den ersten Kilometer noch trocken. Danach setzte der Regen wieder ein. Aber im Vergleich zu gestern war das eher freundliches Nieseln statt Weltuntergang.

Unser Weg führte uns durch die kleinen Dörfer Lanneplaà und L’Hôpital-d’Orion. Dort trafen wir auf eine Pilgerstatue und nutzten die Kirche für eine Pause. Dabei erfuhren wir, dass der Ort historisch eine wichtige Station für Pilger war, denn direkt neben der Kirche befand sich früher ein Hospital, in dem Reisende und Pilger Unterschlupf finden konnten.

Nach der Pause wurde der Himmel allerdings verdächtig dunkel – richtig dunkel. Also schnell rein in die Regenklamotten. Und natürlich: Kaum waren wir auf einem Waldweg angekommen, der ohnehin schon größtenteils aus Matsch bestand, öffnete der Himmel erneut sämtliche Schleusen. Aus Weg wurde Bach, aus Wandern wurde vorsichtiges Vorwärtsrutschen. Alles war nass, glitschig und wir hatten zeitweise echte Mühe, überhaupt voranzukommen.

Danach ging es weiter nach dem bekannten Pilger-Motto: Höhenmeter hoch, Höhenmeter runter. In Andrein machten wir noch eine kurze Pause an der Kirche, bevor wir uns auf den Weg Richtung Sauveterre-de-Béarn machten. Was wirklich schön ist: Die Pyrenäen kommen inzwischen immer näher und sind immer besser zu sehen – ein richtig tolles Gefühl und definitiv Motivation.

In Sauveterre-de-Béarn wollten wir eigentlich noch die Kirche besichtigen. Leider fand dort gerade eine Hochzeit statt – und wir dachten kurz, ob wir einfach so tun, als gehörten wir dazu. Haben wir natürlich nicht gemacht. Schade nur, dass wir uns dafür gefühlt 200 Stufen hochgequält haben.

Anschließend schauten wir uns noch die historische Brücke an, bevor es endlich Richtung Unterkunft ging. Nach 28 Kilometern (warum wir eigentlich jemals glauben, die geplante Distanz würde stimmen, wissen wir selbst nicht) kamen wir dort an.

Die heutige Besonderheit: Uns hat die Nachricht erreicht, dass weitere Spenden in Höhe von 450 Euro eingegangen sind. Wir sind wirklich überwältigt – vielen lieben Dank für euren großartigen Support!

Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 14.05.2026

Heute stand auf der 13. Etappe die Strecke von Hagetmau nach Orthez an – und damit die dritte Tour in Folge mit knapp 30 Kilometern in den Beinen. Der Wecker klingelte erbarmungslos kurz nach 5 Uhr, und um 6 Uhr waren wir bereits auf der Strecke. Leider hatte offenbar auch das Wetter einen sehr frühen Start hingelegt.

Denn nach nur wenigen Metern begann es zu regnen – und zwar nicht dieses freundliche „Ach, ein bisschen Nieselregen“, sondern eher Kategorie: „Hat jemand den Himmel offen stehen lassen?“ Die ersten vier Kilometer wurden wir ordentlich eingeweicht. Danach hörte es kurz auf, nur um wenig später wieder loszulegen. Der Wettergott hatte heute offensichtlich Spaß daran, uns mit maximaler Abwechslung zu versorgen.

Nach rund 9 Kilometern erreichten wir Argelos. Dort suchten wir die Kirche auf und gönnten uns eine wohlverdiente Trocken- und Frühstückspause – beides dringend notwendig. Nach ein paar Minuten hieß es dann: Zähne zusammenbeißen und weiter. Weder das Wetter noch die Umgebung ließen vernünftige Pausen zu.

Im weiteren Verlauf passierten wir noch die Dörfer Sault-de-Navailles und Sallespisse. Das Wetter blieb dabei seinem chaotischen Motto treu: entweder schüttete es wie aus Eimern oder die Sonne schien, als wäre nie etwas gewesen. Es war ein ständiges An- und Ausziehen der Regenkleidung.

In Orthez angekommen, machten wir uns noch auf den Weg zur Kirche, wo ich mein erstes Steinchen ablegte. Dieses Steinchen steht symbolisch dafür, dass wir trotz der schwierigen Bedingungen – Regen, Müdigkeit und allem, was dazugehört – nicht aufgegeben haben. Gleichzeitig ist es auch ein Wunschstein für alle erkrankten Kinder: nicht aufzugeben, selbst wenn es schlechte oder eben „regnerische“ Tage gibt. Denn nach jedem Regen kommt irgendwann auch wieder Sonne.

Anschließend ging es Richtung Hotel – und welch Überraschung: Auf den letzten 400 Metern fing es natürlich nochmal an zu regnen. Wäre ja auch zu einfach gewesen. Nach 29,7 Kilometern und 380 Höhenmetern erreichten wir schließlich kurz nach 15 Uhr unsere Unterkunft – und waren ehrlich gesagt einfach nur froh, endlich die durchnässten Klamotten trocknen zu können.