Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 05.05.2026

Heute beginnt unser Tag um 7:30 Uhr – mit einer vermeintlich entspannten 21-km-Wanderung (Spoiler: das „vermeintlich“ ist wichtig).

Wir verlassen die Unterkunft und steuern direkt die Bäckerei ein paar Meter weiter an. Tja… leider geschlossen, wir stehen anscheinend ziemlich lost da. Zum Glück hält ein Auto neben uns – Vater und Kind retten unseren Morgen und verraten uns, dass es ein paar Meter weiter noch eine offene Bäckerei gibt. Und tatsächlich: Wir haben Glück und können uns ordentlich mit Proviant eindecken.

Gestärkt startet unsere Tour – erstmal 3 Kilometer entlang einer viel befahrenen Straße. Traumhaft. Bei einer kurzen Pause treffen wir plötzlich zwei Pilger aus Belgien, die – genau wie wir – den Camino in Etappen laufen und schon rund 1.300 km hinter sich haben. Unsere ersten Pilger auf dieser Etappe!

Der Weg führt uns weiter über viel Asphalt und zahlreiche Straßen, aber immerhin begleitet von wunderschönen Weinreben, die das Ganze etwas idyllischer machen. Nach etwa 9 Kilometern legen wir unsere Frühstückspause ein – und merken schnell, dass wir beobachtet werden. Eine Frau fotografiert uns neugierig und erzählt uns beim Vorbeigehen, dass ein Bekannter von ihr auch schon den Camino gelaufen ist.

Kurz danach zeigt das Wetter, was es kann: Es fängt an zu regnen. Und zwar nicht ein bisschen, sondern richtig. Nach ungefähr einer halben Stunde erreichen wir völlig durchnässt eine offene Kirche – was, wie wir inzwischen wissen, eher die Ausnahme als die Regel ist. Perfektes Timing! Dort machen wir kurzerhand Mittagspause und warten, bis sich das Wetter wieder beruhigt hat.

Nach 14,1 Kilometern ist es soweit: Wir knacken die ersten 100 km auf dieser Etappe – und das nach nur 4 Wandertagen. Ziemlich verrückt, wenn man bedenkt, dass sich manche Kilometer unterwegs eher wie ein halber Marathon anfühlen 😉

Und tatsächlich: Kaum gehts weiter, strahlt uns blauer Himmel entgegen, kurz darauf kommt sogar die Sonne raus. Klassisches Aprilwetter.

Der Weg bleibt uns treu: weiterhin viel Asphalt und Straße. Nach insgesamt 22,8 Kilometern erreichen wir schließlich Pellegrue. Im Mairie holen wir uns unseren Stempel und die Zugangsdaten für die Pilgerunterkunft. Die Unterkunft ist absolut in Ordnung – also alles gut. Danach gehts noch schnell in den nahegelegenen Supermarkt, um das Abendessen zu sichern.

Fazit des Tages: Die 22,8 km fühlten sich fast anstrengender an als die gestrigen 35 km (wie das geht, wissen wir auch nicht so genau). Aber egal – wir haben es geschafft und freuen uns jetzt auf unser wohlverdientes Abendessen: Spaghetti mit Tomatensoße.

Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 04.05.2026

Heute stehen knackige 35 km von Mussidan nach Sainte-Foy-la-Grande auf dem Programm – also quasi ein gemütlicher Spaziergang… wenn man „gemütlich“ sehr großzügig auslegt.

Der Tag beginnt um 5:30 Uhr mit Frühstück. Kurz nach 6 gehts los – aber natürlich nicht ohne den wichtigsten Zwischenstopp: die Bäckerei. Dort sichern wir uns Nachschub fürs zweite Frühstück (lebenswichtig!), Mittagessen und Wasser, denn unsere Vorräte waren absolut leer.

Los gehts im Regen. Der Weg führt uns direkt in den Wald, wo wir erstmal schön vor uns hin marschieren. Nach etwa einer Stunde hat selbst das Wetter Mitleid und stellt den Regen ein. Es folgen rund 10 km durch den Wald – ruhig, grün, und ehrlich gesagt ein kleines Highlight des Tages.

Danach: Asphalt. Viel Asphalt. Sehr viel Asphalt. Kilometerlang. Der Moment, in dem man anfängt, wirklich jede einzelne Strecke zu hinterfragen.

Immerhin gibt es auch Erfolgserlebnisse: Wir ergattern unsere ersten drei Stempel für diese Etappe – kleiner Pilger-Glücksmoment inklusive.

Ansonsten bestand der Tag hauptsächlich aus… laufen. Und laufen. Und, Überraschung: noch mehr laufen.

Nach 35,1 km erreichen wir schließlich unser Ziel. Das Fazit? Es ist hart, es zieht sich ordentlich – aber es ist machbar. Und heute war definitiv so ein Tag, an dem jeder vor allem mit sich selbst beschäftigt war. Große Geschichten? Fehlanzeige. Aber hey, wir sind angekommen – und das zählt.

Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 03.05.2026

Da die Wettervorhersage für unseren zweiten Wandertag eher nach Weltuntergang als nach Wanderidylle klang, beschlossen wir, bereits um 06:30 Uhr loszulegen.

Unser Ziel: Mussidan, gemütliche 27,8 km entfernt. Eigentlich. Denn kaum starten wir Komoot, begrüßt uns die App mit der motivierenden Nachricht: 31,3 km – eine gesperrte Brücke lässt grüßen. Na wunderbar. Aber gut, hilft ja nix – also Rucksack festgezurrt und los gehts.

Nach ein paar Kilometern durch Saint-Astier verabschieden wir uns endgültig von der Zivilisation und tauchen ein in die Natur. Schon zu Beginn dachten wir uns: Warum nicht noch ein bisschen Nervenkitzel? Also schnell das Internet gefragt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, hier Wildschweinen zu begegnen. Ergebnis: sehr hoch. Na super – genau die Art von Motivation, die man morgens um sieben braucht.

Danach passiert erstmal… Wald. Viel Wald. Sehr viel Wald. Wir durchqueren ihn in allen Varianten, die man sich vorstellen kann. Bis plötzlich Action ins Spiel kommt: In der Nähe eines Gebäudes hören wir plötzlich ein aggressives Bellen – und ehe wir uns versehen, steht da ein Hund, der offenbar der Meinung ist, wir gehören nicht auf seine persönliche Landkarte. Und das Beste: kein Zaun weit und breit.

Also treten wir langsam den Rückzug an, während wir schon nach alternativen Routen Ausschau halten. Zum Glück taucht irgendwann ein älterer Mann auf, der versucht, den Hund unter Kontrolle zu bringen – mit überschaubarem Erfolg. Aber immerhin reicht seine Anwesenheit aus, damit wir uns vorsichtig vorbeischleichen können, ohne als Snack zu enden.

Nach diesem wieder einmal durchwachsenen Hundeerlebnis (wir hatten da letztes Jahr schon eine ähnliche „Begegnung der besonderen Art“) setzen wir unseren Weg fort. Mittlerweile stellen wir auch fest, dass die Brücke nicht nur ein bisschen gesperrt ist – sie ist komplett dicht.

In unserer wohlverdienten Mittagspause, kurz vor diesem architektonischen Totalausfall, übernimmt Isabelle die Mission „Rettung des Tages“ und spricht einen Franzosen an, ob es vielleicht doch noch eine alternative Route gibt. Und siehe da: Er erklärt ihr ausführlich den Weg – und jetzt kommt das eigentlich Unglaubliche – Isabelle versteht ihn… auf Französisch!

Nach 26,7 km erreichen wir Mussidan. Zum krönenden Abschluss des Tages dachten wir uns: Warum nicht noch ein kleines Abenteuer extra einbauen? Wir gehen in das Appartment und entdecken eine offene Tür, kombinieren „offen = unseres“ und marschieren selbstbewusst da rein. Drinnen treffen wir auf eine Putzfrau, die uns mindestens genauso verwirrt anschaut wie wir sie.

Sie putzt schnell weiter, wir stehen ein bisschen verloren herum. Irgendwann ist sie fertig und verlässt das Apartment. Ein paar Minuten später dämmert es uns langsam: Moment mal… der Name unseres gebuchten Zimmers klingt irgendwie anders. Kleines Detail, große Wirkung. Also nochmal raus, nochmal suchen – und siehe da: Wir waren natürlich im falschen Apartment. Aber keine Sorge, am Ende haben wir unser richtiges doch noch gefunden – diesmal sogar absichtlich.

Selten waren wir so glücklich, einfach nur in unserem (richtigen) Apartment anzukommen – lebendig, vollständig, ohne Regen und mit guten Geschichten im Gepäck.