Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 03.05.2026

Da die Wettervorhersage für unseren zweiten Wandertag eher nach Weltuntergang als nach Wanderidylle klang, beschlossen wir, bereits um 06:30 Uhr loszulegen.

Unser Ziel: Mussidan, gemütliche 27,8 km entfernt. Eigentlich. Denn kaum starten wir Komoot, begrüßt uns die App mit der motivierenden Nachricht: 31,3 km – eine gesperrte Brücke lässt grüßen. Na wunderbar. Aber gut, hilft ja nix – also Rucksack festgezurrt und los gehts.

Nach ein paar Kilometern durch Saint-Astier verabschieden wir uns endgültig von der Zivilisation und tauchen ein in die Natur. Schon zu Beginn dachten wir uns: Warum nicht noch ein bisschen Nervenkitzel? Also schnell das Internet gefragt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, hier Wildschweinen zu begegnen. Ergebnis: sehr hoch. Na super – genau die Art von Motivation, die man morgens um sieben braucht.

Danach passiert erstmal… Wald. Viel Wald. Sehr viel Wald. Wir durchqueren ihn in allen Varianten, die man sich vorstellen kann. Bis plötzlich Action ins Spiel kommt: In der Nähe eines Gebäudes hören wir plötzlich ein aggressives Bellen – und ehe wir uns versehen, steht da ein Hund, der offenbar der Meinung ist, wir gehören nicht auf seine persönliche Landkarte. Und das Beste: kein Zaun weit und breit.

Also treten wir langsam den Rückzug an, während wir schon nach alternativen Routen Ausschau halten. Zum Glück taucht irgendwann ein älterer Mann auf, der versucht, den Hund unter Kontrolle zu bringen – mit überschaubarem Erfolg. Aber immerhin reicht seine Anwesenheit aus, damit wir uns vorsichtig vorbeischleichen können, ohne als Snack zu enden.

Nach diesem wieder einmal durchwachsenen Hundeerlebnis (wir hatten da letztes Jahr schon eine ähnliche „Begegnung der besonderen Art“) setzen wir unseren Weg fort. Mittlerweile stellen wir auch fest, dass die Brücke nicht nur ein bisschen gesperrt ist – sie ist komplett dicht.

In unserer wohlverdienten Mittagspause, kurz vor diesem architektonischen Totalausfall, übernimmt Isabelle die Mission „Rettung des Tages“ und spricht einen Franzosen an, ob es vielleicht doch noch eine alternative Route gibt. Und siehe da: Er erklärt ihr ausführlich den Weg – und jetzt kommt das eigentlich Unglaubliche – Isabelle versteht ihn… auf Französisch!

Nach 26,7 km erreichen wir Mussidan. Zum krönenden Abschluss des Tages dachten wir uns: Warum nicht noch ein kleines Abenteuer extra einbauen? Wir gehen in das Appartment und entdecken eine offene Tür, kombinieren „offen = unseres“ und marschieren selbstbewusst da rein. Drinnen treffen wir auf eine Putzfrau, die uns mindestens genauso verwirrt anschaut wie wir sie.

Sie putzt schnell weiter, wir stehen ein bisschen verloren herum. Irgendwann ist sie fertig und verlässt das Apartment. Ein paar Minuten später dämmert es uns langsam: Moment mal… der Name unseres gebuchten Zimmers klingt irgendwie anders. Kleines Detail, große Wirkung. Also nochmal raus, nochmal suchen – und siehe da: Wir waren natürlich im falschen Apartment. Aber keine Sorge, am Ende haben wir unser richtiges doch noch gefunden – diesmal sogar absichtlich.

Selten waren wir so glücklich, einfach nur in unserem (richtigen) Apartment anzukommen – lebendig, vollständig, ohne Regen und mit guten Geschichten im Gepäck.

Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 02.05.2026

Heute beginnt unsere siebte Etappe – mit dem großen Ziel, von Périgueux bis nach Irun zu gelangen, insgesamt knapp 500 Kilometer. Der heutige Abschnitt führt uns von Périgueux nach Saint-Astier.

Nach einer eher unruhigen Nacht – die dünnen Decken und die hellhörige Unterkunft haben ihren Teil dazu beigetragen – klingelt bereits um 6 Uhr der Wecker. Wir machen uns fertig und planen, in einer nahegelegenen Bäckerei zu frühstücken. Doch daraus wird nichts: Sie hat noch geschlossen. Also kehren wir zurück, packen unsere sieben Sachen und brechen auf.

Die ersten Kilometer führen uns noch durch Périgueux, wo wir schließlich doch eine geöffnete Bäckerei entdecken. Nach einer kurzen Stärkung an einer Bushaltestelle setzen wir unseren Weg fort. Die Strecke zeigt sich abwechslungsreich: Sie führt durch verwunschene Wälder, entlang von Flüssen, vorbei an einem alten Waschhaus und durch kleine Orte wie Chambiers, Chancelade und Annesse-et-Beaulieu.

Nach 24,1 Kilometern erreichen wir das hübsche Dörfchen Saint-Astier. Zum Glück liegt kurz davor noch ein Lidl, so dass wir uns direkt mit Proviant für das Abendessen und das Frühstück eindecken können. Langsam spüren wir, dass wir weiter in den Süden kommen – sowohl die Architektur als auch die Pflanzenwelt verändern sich.

Wir versuchen noch, in der Kirche einen Stempel zu bekommen, leider ohne Erfolg. Zum Abschluss des Tages gönnen wir uns dafür ein richtig leckeres Abendessen: Nudeln mit Tomatensoße. Danach heißt es nur noch ausruhen und Kräfte sammeln für die nächste Etappe.

Kommt mit ins Büro!

Almuth und Michaela nehmen euch mit in das Büro unseres Vereins und geben euch einen Einblick hinter die Kulissen unserer Arbeit.