Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 11.05.2026

Heute stand unsere 10. Wandertour an – Startschuss um 7 Uhr morgens, natürlich wieder begleitet von einem eher symbolischen Frühstück. Unsere Gastgeberin war dafür umso herzlicher. Zum Abschied gab es noch einen Stempel für unser Pilgerheft – solche kleinen Gesten machen den Weg einfach besonders.

Kurz nach halb 8 ging es dann los. Vor uns lagen rund 25 Kilometer bis nach Bostens. Das kleine Problem: Unsere Essensvorräte haben sich quasi in Luft aufgelöst – und nach dem Frühstück war uns ziemlich klar, dass der Hunger nicht lange auf sich warten lassen würde.

Die Rettung hieß Roquefort, etwa 14 Kilometer entfernt. Unser Ziel war klar – möglichst schnell Essen organisieren, bevor einer von uns anfängt, über Baguettes zu halluzinieren. Gesagt, getan: Bereits kurz nach 11 Uhr hatten wir die Kilometer abgerockt. Erstmal wurde die Bäckerei „freundlich leergekauft“ und in der Mairie gab es direkt den nächsten Stempel fürs Pilgerheft. Danach hieß es: Essenspause an der Kirche. Gespräche? Fehlanzeige. Jeder war so sehr mit seinem Essen beschäftigt, dass plötzlich andächtige Stille herrschte – vermutlich die friedlichsten Minuten des Tages.

Anschließend liefen wir noch etwa 3 Kilometer weiter zum nächsten kleinen Laden, denn heute und morgen hätten wir sonst kaum Chancen auf Verpflegung gehabt. Isabelle und ich kümmerten uns im Supermarkt um die Versorgung für die nächsten Tage, während Mama draußen wartete – und dort einen wirklich besonderen Moment erlebte. Eine fremde Frau kam auf sie zu, zeigte auf ihr T-Shirt und drückte ihr einfach 10 Euro in die Hand. Einfach so. Ein unglaublich schöner und berührender Moment, der uns wieder gezeigt hat, wie viel Herzlichkeit uns auf diesem Weg begegnet.

Danach hieß es allerdings: voll bepackte Rucksäcke schultern und noch 9 Kilometer laufen. Und plötzlich fühlte sich jeder Schritt doppelt so weit an. Lebensmittel wiegen scheinbar nicht viel – bis man sie auf dem Rücken tragen muss.

Kurz vor dem Ziel nahmen wir noch eine kleine Abkürzung – allerdings über Privatgelände. Wir waren so beschäftigt damit, möglichst schnell wieder vom Grundstück runterzukommen, dass wir erst viel zu spät bemerkten: Das war schon das Gelände unserer Gastgeber! Diese Aktion hat uns im Nachhinein wirklich sehr zum Lachen gebracht. Nach 25,4 Kilometern erreichten wir schließlich gegen 15 Uhr unsere Unterkunft – erschöpft, aber glücklich und definitiv bereit für ein bisschen Entspannung.

Und an dieser Stelle möchten wir uns auch von Herzen für eure großartige Unterstützung bedanken. Auf dieser Etappe wurden bereits 1.420 Euro gespendet – das ist einfach unglaublich und alles andere als selbstverständlich. Vielen, vielen Dank für eure Unterstützung!

Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 10.05.2026

Heute führt uns unser Weg von Captieux nach Bourriot-Bergonce – eine entspannte Etappe… zumindest zu Beginn. Unser Morgen startet nämlich erneut ziemlich gemütlich, denn Frühstück gibt es in der Baumhaus-Anlage erst um 8:30 Uhr. Allerdings fällt dieses eher unter die Kategorie „symbolische Verpflegung“: Vier kleine Scheiben Brot pro Person – vermutlich zur Förderung der inneren Stärke statt der körperlichen Ausdauer.

Trotz der überschaubaren Frühstücksportion starten wir um 9:00 Uhr unsere Wanderung. Zunächst laufen wir etwa zwei Kilometer zurück nach Captieux, wo wir großes Glück haben: Sowohl eine Bäckerei als auch ein kleiner Tante-Emma-Laden haben geöffnet. Also wird erstmal ordentlich Proviant gebunkert.

Bevor es richtig losgeht, versuchen wir noch unser Glück in der Pellerine für einen Pilgerstempel. Leider geschlossen.

Die ersten Kilometer führen uns wieder über wunderschöne Waldwege und machen richtig Spaß. Nach etwa neun Kilometern queren wir eine Brücke über die Autobahn – und verlassen dabei den offiziellen Jakobsweg. Kurz darauf stehen wir plötzlich auf einem Grundstück, bei dem sofort sämtliche Alarmglocken angehen. Ein sehr gut gekleideter Herr kommt direkt aus dem Haus, sichtbar wenig begeistert von unserem Auftauchen, und stellt einige… sagen wir mal… ungewöhnliche Fragen.

Im Nachhinein stellt sich heraus: Diese Strecke gehört wohl schon seit Jahren nicht mehr zum Jakobsweg. Vermutlich erklärt das auch den irritierten Blick des Besitzers.

Danach geht es kilometerlang entlang von Gasleitungen – landschaftlich sicherlich kein Highlight – und unsere Mittagspause verbringen wir stilecht auf dem Waldboden. Anschließend legen wir nochmal einen Zahn zu: Auf drei Kilometern schaffen wir sogar eine Pace von unter zwölf Minuten.

Um halb vier erreichen wir nach rund 24 Kilometern unsere Unterkunft. Heute wohnen wir bei einer älteren Dame im Haus, die uns auch bekocht. Durch unsere T-Shirts und den Flyer, den wir ihr geben, erfährt sie von unserer Aktion und überrascht uns mit einer unglaublich schönen Geste: Für das Abendessen möchte sie kein Geld – wir sollen den Betrag lieber spenden. Darüber freuen wir uns natürlich sehr und überweisen das Geld in Höhe von 70 Euro direkt weiter. Ein wirklich schöner Abschluss für diesen Tag.

Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 09.05.2026

Am 9. Mai steht eigentlich eine entspannte Etappe von 18 Kilometern von Bazas nach Captieux auf dem Plan. Da wir allerdings erst ab 17 Uhr in unsere Unterkunft dürfen, beginnt der Tag erfreulich entschleunigt – was uns nach der Nacht auch mehr als recht ist. Zwischen Hitze, einer Matratze mit eher fragwürdigem Komfort und Kissen, die vermutlich schon bessere Tage gesehen haben, war die Nacht nämlich eher Kategorie „durchhalten“ als „erholsam“.

Also: gemütliches Frühstück statt Frühstart. Anschließend machen wir uns – ganz luxuriös ohne Rucksäcke – auf den Weg zur wunderschönen Kirche in Bazas. Auf dem Platz vor der Kirche findet heute ein großer Markt statt, über den wir erst einmal entspannt schlendern. Ein bisschen schauen, ein bisschen stöbern und natürlich die Kirche besichtigen. Leider bleibt unsere Hoffnung auf einen Pilgerstempel dort zunächst unerfüllt.

Doch dann entdecken wir, dass das Tourismusbüro bereits um 9:30 Uhr öffnet – Jackpot! Also zurück zur Unterkunft, Rucksäcke einsammeln und direkt weiter zum Office. Und tatsächlich: Der ersehnte Stempel wandert in den Pilgerpass.

Danach geht es los Richtung Captieux. Rund 14 Kilometer führt uns der Weg schnurgerade durch den Wald – aber diesmal zum Glück nicht auf Asphaltstraßen, sondern auf einem wirklich schönen Radweg zwischen Bazas und Captieux. Diesem folgen wir die gesamte Strecke. Zwischendurch tauchen immer wieder Bänke am Wegesrand auf, die wir selbstverständlich fachgerecht für ein zweites Frühstück und später eine Mittagspause nutzen. Pilgern macht hungrig – wissenschaftlich belegt. (Zumindest gefühlt.)

Nach 16,1 Kilometern knacken wir außerdem die Marke von insgesamt 200 Kilometern auf dieser Etappe – ein ziemlich schönes Gefühl! Kurz darauf erreichen wir Captieux.

Doch der Tag hält noch eine kleine Zusatzaufgabe bereit: Finde die Baumhäuser. Klingt idyllisch, entwickelt sich aber kurzzeitig zu einer Mischung aus Schatzsuche und Orientierungslauf. Gefühlt laufen wir im Zickzack durch den Wald, denn die bei Google Maps angegebene Adresse der Rezeption scheint eher ein kreativer Vorschlag als ein realer Ort zu sein.

Also rufen wir den Inhaber an. In gebrochenem Englisch versucht er uns den Weg zu erklären – mit mäßigem Erfolg. Schließlich sagt er kurzerhand, dass er uns mit dem Auto entgegenfährt. Mega lieb! Dank dieser Rettungsaktion können wir ihm einfach hinterherlaufen und finden tatsächlich die Baumhäuser.

Nach insgesamt 20,1 Kilometern erreichen wir die Anlage, werden in unser Baumhaus eingewiesen und dürfen heute sogar direkt dort essen. Jetzt sind wir natürlich gespannt, was uns kulinarisch mitten im Wald erwartet – hoffentlich mehr als nur Nüsse und Zapfen. 😉