Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 12.05.2026

Heute führt uns unser Weg von Bostens nach Haut-Mauco – und wie wir es „vermisst“ haben: Es steht mal wieder eine Etappe von über 30 Kilometern an. Die Beine jubeln… oder so ähnlich.

Direkt zu Beginn laufen wir ins Dorf Bostens, wo wir in der Kirche unseren ersten Stempel ergattern wollen – leider erfolglos. Der Kirchenbesuch hatte dafür unfreiwilligen Unterhaltungswert: Anfangs war alles stockdunkel und erst durch unsere Bewegungen sprangen plötzlich die Sensorlichter an. Ganz ehrlich – genau so beginnen doch Horrorfilme. Wir haben kurz überlegt, ob gleich irgendwo unheimliche Musik einsetzt.

Danach entdecken wir die Pilgerunterkunft und sind positiv überrascht: Die Tür steht (fast) offen, vielleicht sind wir wieder einfach in einer Tür reingegangen. Aber was noch viel wichtiger ist – ein Stempel ist tatsächlich da. Pilgerglück muss man feiern, wenn es auftaucht.

Im Anschluss führt uns der Weg wieder kilometerlang an der Straße entlang. Wir durchqueren die Dörfer Gaillères und Bougue, wo wir in einer Bar – oder besser gesagt: einer Kombination aus Bar und Postfiliale (Multitasking auf französisch) – unseren zweiten Stempel bekommen.

Weiter geht es schnurstracks Richtung Mont-de-Marsan. Seit langer Zeit kommen wir mal wieder durch eine größere Stadt, wobei wir nur den äußeren Rand streifen. Da wir heute Abend ziemlich abgeschieden unterkommen werden, steht hier ein wichtiger Programmpunkt an: einkaufen. Das klingt einfacher als gedacht, denn wir müssen unsere Route fast strategisch planen, um überhaupt an einen Supermarkt zu gelangen.

Nach rund 20 Kilometern legen wir gegen 12 Uhr eine kurze Mittagspause ein. Frisch gestärkt geht es weiter durch die Stadt, bis wir nach weiteren vier Kilometern endlich den Lärm und die Menschenmassen hinter uns lassen. Dabei stellen wir fest: So viel Trubel sind wir inzwischen gar nicht mehr gewohnt.

Der Weg wird anschließend… sagen wir mal „abenteuerlicher“. Schulterhohe Farne, dichtes Gestrüpp und stachelige Pflanzen machen uns das Vorankommen nicht gerade leicht. Mama sammelt unterwegs noch drei Zecken ein – eine davon leider mit besonders großem Interesse. Nicht unbedingt das Souvenir, das man sich wünscht.

Mit den letzten Kräften mobilisieren wir unsere Reserven und kämpfen uns die restlichen Kilometer bis zur Unterkunft. Nach stolzen 32,8 Kilometern erreichen wir unser Ziel – komplett erledigt. Aber keine Sorge: Morgen haben wir zur „Erholung“ ja nur 28 Kilometer vor uns.