Reisetagebuch Jakobsweg – 7. Etappe 2026 – 08.05.2026

Heute, am 8. Mai 2026, stand unser siebter Wandertag an. Der Plan war eigentlich ganz harmlos: entspannte 16,9 km von Auros nach Bazas. Betonung auf eigentlich — wie sich herausstellte, hatte der Jakobsweg mal wieder seinen eigenen Humor.

Unser Weg führte uns zunächst nach Brouqueyran am Château du Mirail vorbei. Dort entdeckten wir überraschend eine Pilgerunterkunft. Natürlich wurde direkt eine kleine Pause eingelegt. Während wir Fotos vom Château machten, entdeckten wir eine Frau, die wir spontan fragten, ob es hier vielleicht einen Pilgerstempel gäbe. Sie schickte uns zur nahegelegenen Kirche Saint-Pierre-es-Liens — und tatsächlich: Dort wartete unser erster Kirchenstempel auf uns.

Vor unserer Reise hatten wir die Idee, uns von den erkrankten bzw. geheilten Kiddis kleine bemalte Steine gestalten zu lassen, die wir an besonderen Orten ablegen möchten. Heute hat Mama ihren ersten Stein in der Kirche abgelegt. Für sie war das ein sehr emotionaler Moment — als Zeichen der Dankbarkeit dafür, den ersten Stempel genau dort erhalten zu haben. Irgendwie hat einfach alles gepasst.

Danach ging es weiter über Straßen, durch Wälder und vorbei an einem wunderschönen See. Doch kaum war die idyllische Stimmung perfekt, schlug das Schicksal zu: Einer von Isabelles Wanderstöcken verabschiedete sich in den Ruhestand, innen war etwas abgebrochen. Also versuchten wir mit Tape, Stöcken und viel Optimismus eine Notfall-Reparatur. Parallel recherchierte Isabelle, ob es in Bazas irgendwo Wanderstöcke zu kaufen gäbe.

Natürlich lag der Laden nicht direkt auf unserem Weg. Natürlich war Feiertag. Und natürlich wussten wir nicht einmal sicher, ob überhaupt geöffnet war. Aber aufgeben? Nicht mit uns.

Vorher machten wir noch Mittagspause — diesmal sehr stilvoll neben der Straße. Dort standen Unterstände zur Beobachtung der Ringeltaubenjagd, und wir konnten tatsächlich eine Europalette ergattern, auf der wir es uns gemütlich machten.

Nach dieser etwas anderen Rast starteten wir die Mission „Operation Wanderstock“ — mit Erfolg! Der Laden hatte tatsächlich Wanderstöcke, und Isabelle kaufte freudestrahlend Ersatz. Die Stimmung war gerettet und die Wanderstöcke wieder vollzählig.

Danach ging es weiter zu unserer Unterkunft. Das kleine Problem: Den Zugangscode sollten wir erst ab 17 Uhr erhalten. Also saßen wir erstmal 20 Minuten vor der Tür. Schließlich kam der Code, und wir konnten hinein — überraschenderweise lag die Wohnung im Keller. Aber: absolut in Ordnung, gemütlich und nach insgesamt 22 km genau das, was wir brauchten.

Jetzt freuen wir uns einfach nur noch auf eine heiße Dusche und einen großen Teller Spaghetti. Und ehrlich gesagt: Nach heute hätten wir uns auch zwei Teller verdient.