„Hauptsache gesund!“ werden viele von uns antworten, wenn sie sich etwas wünschen können. Hauptsache gesund! Dieser Wunsch wurde auch im zurückliegenden Jahr vielen Kindern verwehrt. Mehr als 40 Kinder und Familien haben im vergangenen Jahr in Mannheim die schreckliche Nachricht einer Krebserkrankung erhalten. Wir wünschen ihnen Kraft, Mut und Erfolg auf ihrem Weg, gesund zu werden!
Für die Erfüllung vieler großer und kleiner Wünsche unserer Kinder haben wir seit vielen Jahren unser Wunschbox-Projekt. Mehr als 20 Jahre hat Eva Geiger ehrenamtlich über Tausend Wünsche erfüllt. Als Wunschfee hat sie sich darauf eingelassen, vielen Schicksalen auf der Kinderkrebsstation zu begegnen, und unermüdlich dafür gesorgt, dass alle Wünsche erfüllt wurden. Ihr Wunsch war es, ab 2025 ihr Feenzepter zu übergeben.
Anett Würtenberger hat ihr diesen Wunsch erfüllt und ist seitdem als unsere liebenswerte Wunschfee wöchentlich auf der Kinderkrebsstation im Einsatz.

Unsere Wunschfee: Anett Würtenberger
Eva Geiger und Anett Würtenberger berichten nachfolgend in ihrem Interview mit Agnes Polewka, wie sie ihre Arbeit als Wunscherfüllerinnen erleben und wie wichtig es für Patienten ist, wenn ihre Wünsche in Erfüllung gehen.
„Vieles davon werde ich nie vergessen“
Irgendwann erreichen auch Wunschfeen einmal das Rentenalter. 22 Jahre hat Eva Geiger für die Deutsche Leukämie-Forschungs-Hilfe -Aktion für krebskranke Kinder- Ortsverband Mannheim e.V. Herzenswünsche kleiner Patientinnen und Patienten erfüllt – vom kuscheligen Schlafanzug bis zum Tandem-Fallschirmsprung. Jetzt verabschiedet sie sich und übergibt den Schlüssel zur Wunschbox an ihre Nachfolgerin Anett Würtenberger. Ein Gespräch über Wünsche und Hoffnungen.
Frau Geiger, welchen letzten Wunsch haben Sie in Ihrer Funktion als Wunschfee aus der Box auf der Kinderkrebsstation des Uni-Klinikums in Mannheim gefischt?
Eva Geiger: Ein Mädchen hatte sich eine Baby Born Newborn Puppe für ihre Schwester gewünscht. Und für sich selbst die Geschwisterpuppe Baby Born Sister mit langen Haaren. Die beiden Mädels spielen nun sehr gerne mit den Puppen, wenn die Schwester zu Besuch in die Klinik kommt.
Was macht das mit Ihnen, dieser letzte Wunsch und die vielen Wünsche, die sie den Kindern in den vergangenen Jahren erfüllt haben?
Eva Geiger: Es ist schon ein Gefühl von Wehmut und ein bisschen Abschiedsschmerz. Es gab so viele Wünsche, Kinder, Familien und Schicksale, die ich in dieser langen Zeit erleben durfte und manchmal auch musste. Dafür bin ich sehr dankbar und werde vieles davon nie vergessen. Ich konnte mich ja schon das ganze Jahr auf den Abschied vorbereiten und bin unheimlich glücklich darüber, dass wir in Anett so eine tolle Nachfolgerin für das Projekt gefunden haben.
2024 waren sie erstmals schon als Wunschfeen-Team unterwegs, seit Januar ist Anett Würtenberger mit im Boot. Wie war das, für Sie beide?
Eva Geiger: Wir hatten von Anfang an einen guten Draht zueinander. Es war wirklich eine Bereicherung, mit ihr die Kinder auf der Station zu besuchen und die Wünsche zu erfüllen. Anett geht sehr liebevoll, warmherzig und empathisch mit den Kindern um. Sie bringt auch neue Ideen ein und steckt sehr viel Herzblut in ihre Arbeit. Das passt einfach perfekt.
Anett Würtenberger: Für mich war das die Erfüllung meines größten Wunsches. Eva hat mir diesen Einstieg dabei sehr leicht gemacht, mit ihrem souveränem- und immer freundlichem Wesen. Wir haben ein sehr harmonisches Verhältnis.
Eva Geiger hat vor vielen Jahren einen Anruf vom Gründer des Vereins, Herrn Stachniss, bekommen. Wie sind Sie Wunschfee geworden, Frau Würtenberger?
Anett Würtenberger: Unsere Tochter hat sich vor Jahren als Stammzellenspenderin registrieren lassen. Im Jahr 2020 ging dann alles ganz schnell und sie konnte tatsächlich einer schwer erkrankten Patientin helfen. Inzwischen verbindet meine Tochter und die Patientin eine besondere Freundschaft. Mich persönlich hat das Schicksal dieser Frau sehr bewegt und ich habe nach Wegen gesucht, selbst jungen Menschen zu helfen. Dabei bin ich dann auf den Ortsverband der Mannheimer DLFH – Aktion für krebskranke Kinder – gestoßen.
Wie war dieses erste Jahr für Sie?
Anett Würtenberger: Ich war jedes Mal sehr gespannt, wenn es mit Eva auf die Station ging, um den Briefkasten zu leeren. Und das Schönste war es dann, die Wünsche zu erfüllen und sie den Kindern persönlich zu übergeben. Ihre Freude und Begeisterung berühren mich jedes Mal aufs Neue.
Was hat das mit Ihnen gemacht – als Mensch?
Anett Würtenberger: Dieses Ehrenamt erfüllt mich sehr und ich freue mich auf die kommenden Aufgaben.
Wie sieht Ihr neuer Alltag als Wunschfee aus?
Anett Würtenberger: Ich werde auf alle Fälle die wöchentlichen Besuche auf der Station beibehalten und den Kontakt zu den dort tätigen Ärzten, Therapeuten und Pflegern weiter ausbauen. Da ich bis zum Jahr 2000 als examinierte Krankenschwester gearbeitet habe, kenne ich auch den Stationsalltag und die alltäglichen Probleme von dieser Seite. Meine Erfahrung zeigt, dass die besten Ergebnisse dann erzielt werden, wenn alle an einem Strang ziehen.
Welche Wünsche haben Sie erfüllen dürfen?
Anett Würtenberger: Der erste Wunsch, den ich erfüllen durfte, war, zwei Karten für ein Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der Euromeisterschaft zu besorgen. Mit großartiger Unterstützung des Badischen Fußballverbands und der UEFA haben wir dem Patienten einen unvergesslichen Tag im Stadion in Stuttgart bereiten können. Daneben haben wir mehrere Kinderfahrräder, Sofortbildkameras, Spielsachen und vieles mehr verschenkt, aber auch den Besuch im einen oder anderen Freizeitpark ermöglicht.
Wenn Sie beide selbst einen Wunsch frei hätten: Was wäre das?
Anett Würtenberger: So vielen Kindern wie möglich zu helfen und einen Beitrag zu ihrer Genesung zu leisten. Dazu gehört auch, den Geschwisterkindern in dieser schweren Zeit beizustehen und ihre Wünsche ebenfalls zu erfüllen.
Eva Geiger: Ich würde mir wünschen, dass mehr Mittel in die Forschung für Krebserkrankungen im Kindesalter investiert werden. Damit irgendwann jedes Kind eine gute Chance auf Heilung hat.
Die Fragen stellte unsere ehrenamtliche Mitarbeiterin Agnes Müller-Polewka.

