AKTUELL: 19.08.20 – “Eins werd’ ich nie tun: aufgeben!” – Mutperlen für kleine Krebspatienten

Vielen Dank an den Mannheimer Morgen, Frau Kirsch-Mayer und Herrn Blüthner (Foto)!

19. August 2020 /  Autor: Waltraud Kirsch-Mayer


Die Mutmacher des Regenbogentourteams beim Zwischenstopp an der Kinderklinik
(v.l.): Michaela Siebig, Björn H., Patrick S. und Michael Karremann. © Christoph Blüthner

Mit strampelnder Wadenkraft in einem Tag von Mannheim über Mainz nach Frankfurt – für den Hobby-Triathleten Patrick S. kein Problem. Der Mittdreißiger erinnert sich aber noch gut an jene Jahre, als er von Sport oder Radeln nur träumen konnte. Zum zehnten Mal beteiligt er sich an der Deutschland-“Regenbogenfahrt”, bei der junge Erwachsene, die früher einmal an Krebs erkrankt waren, heutigen kleinen Patienten und deren Familien Hoffnung machen. Am Dienstag traf sich Patrick S. mit einem zweiten radelnden Mitstreiter vor der Kinderklinik der Universitätsmedizin, wo ein Team der Krebsstation die beiden Mut-Macher begrüßte.
Vor Corona war es üblich, dass Regenbogenfahrer auf ihren Rädern in größeren Gruppen unterwegs waren und bei eingelegten Stopps kleine Patienten direkt auf der Station besuchten. Häufig haben Elternvereine Empfangsfete organisiert. Die Virus-Pandemie hat die Deutsche Kinderkrebshilfe aber vor die Herausforderung gestellt, für die inzwischen 28. Tour ein Alternativkonzept auszutüfteln. Geblieben ist jedoch das Motto: “Eins werd’ ich nie tun: aufgeben!”
Keineswegs ein Todesurteil
Für diese Botschaft treten 40 junge Männer und Frauen seit 15. und bis 22. August quer durch die Republik in die Pedale. Ihre jeweiligen Schicksale zeigen, dass Krebs – ob Leukämie oder ein Tumor – keineswegs ein Todesurteil bedeuten muss. Patrick S. war im Einschulungsalter, als die für ihn wie die ganze Familie niederschmetternde Diagnose Blutkrebs kam. Nach Bestrahlung und Chemotherapie schien die Leukämie überwunden. Doch schon zwei Jahre später folgte ein massiver Rückfall. Eine Stammzellspende vom kleinen Bruder sollte dem damals Neunjährigen das Leben retten. “Bei der Transplantation in Tübingen gab es ein komplettes Reset – wie bei einem Computer”, erzählt Patrick S. “Ich habe seitdem sogar eine andere Blutgruppe.” Das ist inzwischen 25 Jahre her. Die Teilnahme an den Regenbogenfahrten sind für den studierten Prozessingenieur eine Herzensangelegenheit: “Weil ich anderen Hoffnung machen und etwas zurückgeben will.” Der Medizintechniker Björn H. hat bereits als Kind Krankenhäuser lange und intensiv kennengelernt – als ein bösartiger Tumor behandelt wurde. “Anders als Patrick hatte ich Glück, dass Bestrahlung und Chemo meinen Krebs besiegt haben.” So unterschiedlich ihre Krankheitsgeschichten verlaufen sind – für beide sportbegeisterten jungen Männer gilt: Sie sind inzwischen gesund und voller Tatendrang.
Sehnsucht nach der “Blume”
Weil die zwei Botschafter diesmal nicht auf die Onkologiestation oder in ein Krankenzimmer dürfen, wird das Radel-Duo vor dem Start einer neuen Tagestour gleich morgens vor der Ambulanz der Kinderklinik unter freiem Himmel begrüßt: Oberarzt Michael Karremann, Psychologin Ulrike Just und die leitende Schwester Hannelore Schuch haben von ihren Schützlingen ein selbst gemaltes “Herzlich willkommen”-Plakat mit buntem Regenbogen mitgebracht. Und weil es bis zum ersten Tagesstopp in Mainz ziemlich viele Kilometer zu erstrampeln gilt, übergibt Michaela Siebig von der Aktion für krebskranke Kinder Imbisspakete für unterwegs.
Patrick S. und Björn H. haben nicht nur die beliebten Regenbogenarmbänder im Gepäck. Auch besondere Mutperlen – also jene symbolträchtigen Motive zum Auffädeln, die es mal für Spritzenpieks, dann wieder für “Chemo” oder Haarausfall gibt. Oberarzt Karremann kennt kleine Patienten, deren Mutperlen-Kette während einer Krebsbehandlung eine Länge von mehreren Metern erreicht. Alle sehnen die begehrte Blume als Abschlussperle herbei.
© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 19.08.2020
  • Bei der von der Deutschen Kinderkrebsstiftung organisierten 28. Auflage der Regenbogenfahrt sind ehemalige Krebspatienten diesmal in kleinen Gruppen als Mut-Macher unterwegs. Besucht werden 50 Kinder-Behandlungszentren.
  • In Mannheim gibt es seit mehr als vier Jahrzehnten einen Ortsverein der Deutschen Leukämie-Forschungs-Hilfe: die Aktion für krebskranke Kinder.
  • Der gemeinnützige Verein unterhält ein “Elternhaus” für Angehörige von Mädchen und Jungen, die im Uni-Klinikum behandelt werden, finanziert Musik- und Kunsttherapie, fördert Forschungsprojekte und leistet auf vielfältige Weise menschlichen Beistand. wam