AKTUELL: 01.10.19 – Nachgereicht: Interview mit Steffen Drayß zum Benefizkonzert von “Grand Malör” vom 27.07.19

„Ein ganz außergewöhnliches Erlebnis“

Zuhause, in Hochdorf-Assenheim, vor rund 2000 Gästen, hat die Pfälzer Kult-Band “Grand Malör” ihren 30. Geburtstag gefeiert – mit einem Open Air-Konzert für den guten Zweck. 24.000,– Euro hat die Band an dem Abend eingespielt. Die Hälfte fließt an die Deutsche Leukämie-Forschungs-Hilfe –Aktion für krebskranke Kinder– Ortsverband Mannheim e.V. in Mannheim. Ein Gespräch mit Bandleader Steffen Drayß über einen besonderen Abend, die Musik und die schönen Momente des Lebens.

Grand Malör machen in erster Linie „Gute-Laune-Musik“, touren auf Weinfesten in der Region. Die Deutsche Leukämie-Forschungshilfe kümmert sich um Familien, deren Leben sich auf der Krankenstation abspielt. Wie passen diese beiden Lebenswelten zusammen?

Steffen Drayß: Gute Frage. Auf den ersten Blick passt das wohl eher nicht zusammen. Aber ich denke, dass unsere Auftritte und die Musik helfen können, auf andere Gedanken zu kommen. Vielleicht kann sie auch in solch schwierigen Situationen Kraft geben. Uns selbst geht es auf jeden Fall so und vielen im Publikum auch. Wer einen schlechten oder stressigen Tag hatte, und zu uns kommt, kann das Schlechte für ein paar Stunden vergessen und mit uns feiern. Das ist dann vermutlich eine Mischung aus Verarbeitung und Ablenkung. Vielleicht birgt das die Chance, sich danach mit neuer Kraft, vielleicht auch mit neuem Blick auf neue Dinge oder Ziele zu konzentrieren.

Deshalb spendet die Band die Hälfte des Erlöses an die Aktion gegen Kinderkrebs? Um ein bisschen neue Kraft zu schenken?

Drayß: Sagen wir es mal so: Wir hatten dreißig schöne Jahre und durften das jetzt groß feiern. Da ist es uns wichtig, in irgendeiner Form auch denen zu helfen, denen es nicht so gut geht, die schwere Zeiten durchleben. Ich bin selbst Vater und viele in der Band haben auch Kinder. Daher haben wir uns als Band aus der Region dann umgeschaut, welche Organisationen in der Region etwas für Kinder und Familien tun, denen es gerade nicht so gut geht. Wir haben uns dann entschieden, eine Hälfte an „RPR hilft“ zu spenden, die Hilfsaktion eines Radiosenders, mit dem wir in den vergangenen Jahren viel zu tun hatten. Mit dem zweiten Teil wollten wir, wie schon mal bei unserem ersten Benefiz-Open Air 1996, krebskranken Kindern helfen. Über Bekannte sind wir auf die Leukämie-Forschungshilfe gestoßen. Wir haben dann dort im Büro vorbeigeschaut und waren begeistert, was der Verein alles leistet. Außerdem hat die Chemie gleich gestimmt und dann haben wir entschieden, ja, das passt.

Insgesamt 24.000,00 Euro. Hat sich die Mühe aus Deiner Sicht gelohnt?

Drayß: Das Benefizkonzert war der Hammer, ein ganz außergewöhnliches Erlebnis. Wir waren wirklich geflasht und unsere Gäste waren geradezu „beseelt“. Wir haben da aber auch unheimlich viel Arbeit reingesteckt. In der Vorbereitung gab es auch einige Tiefs: eine Unwetterwarnung, drei Tage vor dem Konzert. Wir mussten noch ein Zeltdach organisieren, einen Kran, der es aufstellt, zwei Tage vorher. Und wir sind ja keine große Firma mit dickem Finanzpolster oder eine Event-Agentur, sondern nur eine kleine Dorf-Band, eine Handvoll Leute. Und dann denkst du dir, da bleibt am Ende nichts hängen. Und plötzlich ist aber der Tag da. Über 100 Helfer stehen im gelben „Staff“ T-Shirt bereit. Du siehst, dass sich das Gelände immer weiter füllt. Und du weißt, jedes Eintrittsgeld, jede(r) Schorle, ist für den guten Zweck. Plötzlich merkt man, dass man vieles richtig gemacht hat. Du denkst: Wow, das ist unsere Geburtstags-Party! Ein ganz besonderes Gefühl. Eine ganz besondere Stimmung.

Ihr habt euren dreißigsten Geburtstag gefeiert, die Leukämie-Forschungshilfe wird dieses Jahr vierzig Jahre alt. Was wünschst Du (Euch) beiden?

Drayß: Dass unsere Motivation und unser Herzblut bleiben, auch dass wir neue Ideen entwickeln und neue Wege gehen, die alles am Laufen halten. Dass wir es beide schaffen, auf unsere ganz individuelle Art und Weise Leuten zu helfen, dass es ihnen besser geht, nachdem sie mit uns zu tun hatten.

Welchen Song würdet ihr der Deutschen Leukämie-Forschungshilfe widmen?

Drayß: Ganz klar „schweben“, unseren eigenen Song. Wir sind sicher nicht die großen Songschreiber, aber im dem Lied geht es darum, wie wichtig es ist, dass man für die schönen Momente lebt, auch wenn es ganz schlecht ist. Und wie viel diese aufwiegen.

Interview: Agnes Polewka

Grand Malör:
Die Cover-Band Grand Malör wurde 1989 im vorderpfälzischen Hochdorf-Assenheim gegründet, wo einige der Musiker in der Blaskapelle Assenheim spielten. Vier der Gründungsmitglieder sind bis heute Teil der beliebten, siebenköpfigen Cover-Band, die fest im Pfälzer Weinfestkalender verankert ist.